WESTWERK.

Westwerk-Verstärker

WESTWERK.

Admiralitätstr. 74

20459 Hamburg

Signe Boe ist bildende Künstlerin aus Dänemark und als Stipen-diatin der Behörde für Kultur und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg für internationalen Kulturaustausch im vierten Quartal 2020 Gast im Westwerk.

Emotional Sculpture mit den Künstler:innen Birgit Dunkel,
Corina Ernst, Volker Heinsohn, Kerstin von Holt, Florian Langmaack, Florian Reckert, ist ein experimentelles dialogisches Work-in-Progress-Projekt, initiiert von Kerstin Behrendt. Auch dieses Projekt sollte in eine Präsenzausstellung münden. Die eingeladenen Künstler:innen

wollten sich auf unbekanntes Terrain begeben und über vorgegebene Rahmenbedingungen gemeinsam Skulpturen entstehen lassen, die sich aus Objekten, Fotos, Zeichnungen, Malereien, Videos und Performances der Mitwirkenden zusammensetzen. Die einzelnen Arbeiten sollten somit aus dem ursprünglichen Wirken der jeweiligen Künstler:innen und dem Kontext ihrer Entstehung genommen und vor Ort in einen  neuen Zusammenhang gebracht werden. Die Installation im Schau-fenster ist als Teaser zu verstehen, die  Ausstellung selbst soll im nächsten Jahr nachgeholt werden.

 

 

Vera Drebusch und Simone Karl zeigen Künstlerinnenvideos im Schaufenster. Ursprünglich als Präsenzausstellung geplant wurde die  »hungry eyes« in die Reihe CoronaVision II« aufgenommen.

Künstler*innenbücher von Vera Drebusch präsentieren Fotografien und Found Footage aus Stipendienaufenthalten in den USA und Kolumbien genauso wie die Zusammenarbeit mit einem Wohnheim
für Menschen mit Behinderungen. Nähe, Oberfläche und Kontakt sind fortwährende Themenfelder, an denen Vera Drebusch arbeitet.

Simone Karl entpuppt sich in ihrer Video-Performance »I love you
till death« selbst. Die Verwandlung einer Träumenden zur giftigen Liebenden zwischen Natur und  Kunststoff, Sehnsucht und Zerstörung. Die Künstlerin beschäftigt sich in ihren Arbeiten intensiv mit – meist feministischer – Körperlichkeit, anorganischen Materialien und Fundstücken.

Stillt eure hungrigen Augen einfach, indem ihr während eures Abendspaziergangs über die Fleetinsel kurz vor unserem Schaufenster stehenbleibt …

André Lützen, »Narziss«, 126 × 160 cm, Hamburg, 2018, aus dem Projekt »Während wir ein Leben in Leichtigkeit führen«.

In der westlichen Welt ist der Mensch bestrebt, die Natur zu dominie-ren. Flüsse werden begradigt, Straßen folgen Rastern – das Verständnis von Schönheit ist das Ergebnis von Kontrolle, wie im öffentlichen Raum. Dieser ist ein Ort der Kommunikation, der Begegnung und Konfronta-tion, er dient der Fortbewegung und der Versorgung. Für die Außen-wahrnehmung Hamburgs ist er von herausragender Bedeutung. Zudem bietet er Platz für gemeinschaftliche Raumnutzung.

Petra Schoenewald, Coronateppich: »Kleiber beim Betrachten einer Zoomkonferenz«, Kreuzstich auf Smyrna, 2020

Petra Schoenewalds Idee eines Teppichs spielt mit weiblich besetzten Tätigkeiten, die früher zum Zeitvertreib, zum Warten auf den Liebsten oder um die Frau zu beschäftigen und ans Haus zu fesseln, gern einge-setzt wurden. Sie definiert ihn heute als das Warten auf das Ende von Corona, als die Wiederaufnahme gewohnter Tätigkeiten oder auch als den Genuss der Muße und das Vergessen der Zeit. Der Teppich erzählt von den Dingen, denen sie sich während des ersten Lockdowns im Früh-jahr 2020 gewidmet hat: Malkurse per Zoomkonferenz veranstalten, turnen, auf ausgedehnten Wanderungen Vogelstimmen bestimmen und sehr viel Eis essen. Dieser Teppich ist erst der Anfang einer größeren Installation mit einem weiteren Teppich. Themen des zweiten Teppichs: Gesundheit, gutes Essen, Bewegung in der Natur und ihre Wahrneh-mung, Einsamkeit und Gemeinsamkeit sowie die Liebe und Sorge um-einander. Die Herstellung des großen Teppichs wird mindestens so lange dauern, wie die Pandemie anhält. Das Projekt versteht Petra Schoenewald als eine Überforderung, wie es auch Covid-19 für uns ist.

4. bis 14. Januar 2021

Petra Schoenewald

Simone Lietzkow, »Rosa«, Acryl und Pigment auf Leinwand,
100 × 80 cm, 2020

Als Malerin arbeitet Simone Lietzkow fast immer figurativ. Akt gehört zur regelmäßigen Übung, wird aber nur ausnahmsweise zum Gemälde. Eine solche Ausnahme ist »Rosa«. Der zarte, fast zärtliche Farbauftrag kontrastiert spannungsreich mit der monströsen Masse des stoischen Modells. Hier kann nach Herzenslust gegafft werden, hier kann erschau-ern, wer nur zeitgeistig schlanke Körper erträgt, hier können feinste Äderchen und Nuancen entdeckt werden; Hautverfärbungen, die von anhaltender Überlastung künden und zugleich im fein differenzierten Farbrausch schwelgen, und pure Malerei, die zuweilen den Gegenstand aufhebt.

Corona-bedingtes Guckkastenfenster und Sujet existieren hier in schönster voyeuristischer Symbiose, die anderswo in der Stadt – in ganz anderen Zusammenhängen – schon lange Tradition hat.

Emotional Sculpture

Signe Boe

Vera Drebusch & Simone Karl

André Lützen

Die Künstlerin stickt live:

Mi | 6.1.21 | 17:30–19:00

Fr | 8.1.21 | 15:00–17:00

Mi | 13.1.21 | 17:30–19:00

15. bis 24. Januar 2021

Simone Lietzkow

Gideon Pirx verbindet in seiner Malerei die Sprache von Comic
und Pop (große Nasen, gute Unterhaltung) mit der europäischen Tradition des pastosen Farbauftrags und der Melancholie der Ebenen seiner transnistrischen Heimat zu einem »new expressionism«.

Den Corona-Sommer verbrachte Gideon Pirx wie jedes Jahr auf dem Balkon einer 2-Raumwohnung in Sankt Petersburg. Dort ringt er mit sich selbst und nennt es Arbeit. Nach dem Motto »Wenn’s nichts wirx, ist’s ein Pirx!« zeigt er sein Herz für die Gescheiterten und Gefallenen, egal ob Tier oder Mensch oder Pilz. Und auch wenn die Betrachtung dieser Spezies manch lustigen Kommentar provoziert, legt der Künstler doch Wert darauf festzustellen, dass Humor nur ein Nebenprodukt sei und Mitgefühl und Humunismus [sic!] im Vordergrund stehen.

Die Ergebnisse dieses Sommers – moderne kunst im clubheim – wollte Gideon Pirx eigentlich in einer großen Bilderschau im Westwerk zeigen. Im Schaufenster wird jetzt nur ein Affe Platz haben. Doch der Primat
hat eine Botschaft, die sich wie zufällig mit der alten römischen Weisheit Senecas deckt: »Durch das Dunkel zu den Sternen«. Die Ausstellung wird selbstverständlich nachgeholt.

25. bis 31. Januar 2021

Gideon Pirx

Hartmut Gerbsch, »Negativ ist das neue positiv«, eine Raum-installation für eine nicht begehbare Ausstellung auf 120 m² mit über 1.000 Bildern aus den vergangenen 15 Jahren. Licht: Björn Salzer

In der Hamburger Innenstadt ist es in diesen Tagen ruhig. Die meisten Geschäfte sind geschlossen, viele Büros bleiben leer. Auch der Ausstellungsbetrieb in den Galerien ruht. In diese Stille schicke ich ein visuelles Feuerwerk aus über 1.000 Lichtbildern unbekannter Herkunft. Diese wurden über 15 Jahre lang in einem Ordner mit der Aufschrift  »Bilder diverse« gesammelt und kommen aus allen Bereichen des Lebens: Umwelt, Politik, Konsum, Musik, Sport, Natur, Tiere, Verkehr, Kunst, Mode, Retusche, Architektur etc. Die Präsentation der Lichtbilder findet großformatig im hinteren Bereich der Ausstellungshalle statt und ermöglicht es dem Betrachter, durch das Fenster zur Straße die gesamte Größe des Ausstellungsraums zu erleben.

1. bis 10. Februar 2021

Hartmut Gerbsch

A swimming symphony: eine audiovisuelle Kooperation zwischen The Heffels und Josephin Böttger

Durchs Fenster des pandemisch leeren, schweigenden Raums erklingt ein umtriebiges Meer – warm und zwitschernd fließen Ver-sprechen eines kollaborativen Ozeans. Das flüsternde Parlament der Instrumente zeigt uns das Potenzial der Halle von Westwerk, ruft die unzähligen Erlebnisse und Aktionen hervor, die dort viele Jahre hindurch in Konzerten und Ausstellungen Platz und Publikum fanden.

Wie würden Vögel klingen, wenn sie unter Wasser lebten; wie Fische, könnten sie in der Luft leben? Mit »A swimming symphony« ertönt ein Hauch der Musik, die genau hier, in der leeren Halle von Westwerk,
im November 2018 in formidabler Formation über eine Woche live eingespielt wurde.

Es spielten damals The Heffels, begleitet vom Aquarium Ensemble, aufgenommen von Tobias Levin und Tom Fleischhauer. Aufnahmen,
die wiederum als Echo des Aquarium-Live-Konzerts im Sommer 2017 nachklangen, gespielt vor submarinen Projektionen von Jürgen Brockmann und gefilmt von Josephin Böttger. Eine wahre Unterwasser-welt von ineinanderfließenden Kooperationen und Prozessen, Imagination und Improvisation.

Zu hören ist »A swimming symphony« in Begleitung der neuen subaquatischen Bilderwelt der Videokünstlerin Josephin Böttger aus Filmaufnahmen des damaligen Konzerts.

The Heffels: Carsten Dane (Piano, Orgel), Christoph Meier (Bass), Matthew Partridge (Drums, Vocals), Stefan Persson (Gitarre)

The Aquarium Ensemble: Nicolas A. Baginsky (Lapsteel), Christopher Blenkinsop (Gitarre, Bouzouki), Raphaela Andrade Cordova (Vocals), Georgia Hoppe (Klarinetten), René Hudtwelcker (Elektronik), Gunnar Schmidt (Trompete), Boris Vogeler (Theremin, Elektronik), Hannes Wienert (Saxophone, Sheng, Trompsax)

Josephin Böttger: Videoprojektion

Dank auch an: Jürgen Brockmann (visual additions) und
Tobias Levin

11. bis 20. Febr. 2021 | 16:30–21:00

Heffels Aquarium

Altay Tuz aus Istanbul beschäftigt sich nach seinem Kunststudium mit Begriffen wie Raum, Zeit und zeitgenössischer Identitätspolitik,
die er mithilfe von Fotografie und Installationen aufzeigt. Im Westwerk wird er seine Arbeit »Members Only« über türkische Cafés zeigen.

»Members Only« besteht aus Bildern, die in Cafés aufgenommen wurden, in denen türkische Gastarbeiter ihre Freizeit verbringen. Auch nach 50 Jahren sind diese Arbeitskräfte mit den alltäglichen Heraus-forderungen und Kämpfen um die Zugehörigkeit zu ihrer neuen Heimat konfrontiert. Die Idee einer »Traumheimat« mildert die täglichen Ent-täuschungen und bietet den Bedürftigen einen geistigen und psycho-logischen Schutzraum. Die Fotografien von Altay Tuz zeigen die Art und Weise, wie Gastarbeiter ihr Leben leben. In einem Bild wird sowohl eine westliche Lebensweise als auch Traditionen, Zeichen und Bilder ihrer türkischen Herkunft sichtbar.

 Tuz sieht in dem Projekt »Members Only« eine gute Möglichkeit, Gespräche zwischen deutschen und türkischen Gemeinschaften zu eröffnen. Seine Arbeiten zeigen die Probleme, die durch Globalisierung und Urbanisierung entstanden sind, und visualisieren diese.

21. bis 27. Februar 2021

Altay Tuz

Rupprecht Matthies zeigt seinen 12 Meter breiten Schriftzug »verzichten«, kombiniert mit der großformatigen Kreidezeichnung »Grotte II« von Peter Boué.

Der Schriftzug ist massiv und groß. Es fehlt das Ausrufezeichen, das aus dem bloßen Wort eine Aufforderung machen würde. Es heißt ja nicht: Verzichten! Der Begriff ist in freundliches, sonniges Gelb gehüllt. In Form einer Handschrift mit der jemand ein persönliches Bekenntnis abgibt. Eine Aussage, auf die man reagieren kann. Es ist so, wie die Wortwerke von Rupprecht Matthies, die durch ihre Präsenz Fragen an uns stellen können.

Der Verzicht erfährt jedoch noch eine Dramatisierung. Die abs-trahierte Grotte auf der Zeichnung von Peter Boué wandelt sich zum drohenden Gesicht, oder besser, zu einer raubvogelartigen Fratze.
Die freundliche Aufforderung hat seinen Grund. Nichts ist ohne Ursache. Das Dystopische, das sich sonst in den urbanen Szenen und Landschaften von Peter Boué findet, wendet sich hier direkt an den Betrachter und betrachtet zurück. So finden sich in seinen Zeichnungen des zurückliegenden Jahres eine Reihe von Naturdarstellungen von Grotten und vulkanischen Landschaften, von denen einige selbst ihren Kommentar zur Lage abzugeben scheinen.

9. bis 18. März 2021

Rupprecht Matthies und Peter Boué

Jürgen Albrecht, seine Werke sind abstrakte Kompositionen, deren Nuancen von undurchdringlichem Schwarz bis zu strahlendem Weiß reichen. Sie sind weder Bild noch Objekt, sondern dreidimensionale Wirkungsfelder. Ihr Ausgangspunkt ist das scheinbar architektonische Modell, in welchem sie verortet sind. Durch Lichtprojektionen, Über-blendungen und Verschattungen scheinen räumliche Zusammenhänge auf, die vielleicht wie Bühnenräume nur eine Illusion sind. Innen und Außen gehen ineinander über, offene und geschlossene Flächen werden gegeneinander verschoben. Ein Dialog. Tages- und Kunstlicht wechseln ihre Funktionen in der Anmutung von räumlichen Zusammenhängen, wie auch ihre Schatten. In der ästhetischen Herausforderung von Wahrnehmungsgewohnheiten entstehen verschachtelte Interieurs.
Es sind visuelle Labyrinthe, in welchen sich die Doppelnatur des Lichts als materielles und immaterielles Phänomen spiegelt.

»Doch der Ort geht nicht verloren, gehe ein zweites Mal dorthin oder so oft du möchtest, er wird auf dich warten und sich verändern, so wie du dich verändert hast.«

(Text: Isabelle Mars)

19. bis 28. März 2021

Jürgen Albrecht

CoronaVision III