WESTWERK.

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Admiralitätstr. 74

20459 Hamburg

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Rupprecht Matthies zeigt seinen 12 Meter breiten Schriftzug »verzichten«, kombiniert mit der großformatigen Kreidezeichnung »Grotte II« von Peter Boué.

Der Schriftzug ist massiv und groß. Es fehlt das Ausrufezeichen, das aus dem bloßen Wort eine Aufforderung machen würde. Es heißt ja nicht: Verzichten! Der Begriff ist in freundliches, sonniges Gelb gehüllt. In Form einer Handschrift mit der jemand ein persönliches Bekenntnis abgibt. Eine Aussage, auf die man reagieren kann. Es ist so, wie die Wortwerke von Rupprecht Matthies, die durch ihre Präsenz Fragen an uns stellen können.

Der Verzicht erfährt jedoch noch eine Dramatisierung. Die abs-trahierte Grotte auf der Zeichnung von Peter Boué wandelt sich zum drohenden Gesicht, oder besser, zu einer raubvogelartigen Fratze.
Die freundliche Aufforderung hat seinen Grund. Nichts ist ohne Ursache. Das Dystopische, das sich sonst in den urbanen Szenen und Landschaften von Peter Boué findet, wendet sich hier direkt an den Betrachter und betrachtet zurück. So finden sich in seinen Zeichnungen des zurückliegenden Jahres eine Reihe von Naturdarstellungen von Grotten und vulkanischen Landschaften, von denen einige selbst ihren Kommentar zur Lage abzugeben scheinen.

Jürgen Albrecht, seine Werke sind abstrakte Kompositionen, deren Nuancen von undurchdringlichem Schwarz bis zu strahlendem Weiß reichen. Sie sind weder Bild noch Objekt, sondern dreidimensionale Wirkungsfelder. Ihr Ausgangspunkt ist das scheinbar architektonische Modell, in welchem sie verortet sind. Durch Lichtprojektionen, Über-blendungen und Verschattungen scheinen räumliche Zusammenhänge auf, die vielleicht wie Bühnenräume nur eine Illusion sind. Innen und Außen gehen ineinander über, offene und geschlossene Flächen werden gegeneinander verschoben. Ein Dialog. Tages- und Kunstlicht wechseln ihre Funktionen in der Anmutung von räumlichen Zusammenhängen, wie auch ihre Schatten. In der ästhetischen Herausforderung von Wahrnehmungsgewohnheiten entstehen verschachtelte Interieurs.
Es sind visuelle Labyrinthe, in welchen sich die Doppelnatur des Lichts als materielles und immaterielles Phänomen spiegelt.

»Doch der Ort geht nicht verloren, gehe ein zweites Mal dorthin oder so oft du möchtest, er wird auf dich warten und sich verändern, so wie du dich verändert hast.«

(Text: Isabelle Mars)

9. bis 18. März 2021

Rupprecht Matthies und Peter Boué

19. bis 28. März 2021

Jürgen Albrecht