WESTWERK.

WESTWERK.

Admiralitätstr. 74

20459 Hamburg

Westwerk-Verstärker

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Simone Lietzkow, »Rosa«, Acryl und Pigment auf Leinwand,
100 × 80 cm, 2020

Als Malerin arbeitet Simone Lietzkow fast immer figurativ. Akt gehört zur regelmäßigen Übung, wird aber nur ausnahmsweise zum Gemälde. Eine solche Ausnahme ist »Rosa«. Der zarte, fast zärtliche Farbauftrag kontrastiert spannungsreich mit der monströsen Masse des stoischen Modells. Hier kann nach Herzenslust gegafft werden, hier kann erschau-ern, wer nur zeitgeistig schlanke Körper erträgt, hier können feinste Äderchen und Nuancen entdeckt werden; Hautverfärbungen, die von anhaltender Überlastung künden und zugleich im fein differenzierten Farbrausch schwelgen, und pure Malerei, die zuweilen den Gegenstand aufhebt.

Corona-bedingtes Guckkastenfenster und Sujet existieren hier in schönster voyeuristischer Symbiose, die anderswo in der Stadt – in ganz anderen Zusammenhängen – schon lange Tradition hat.

Gideon Pirx verbindet in seiner Malerei die Sprache von Comic
und Pop (große Nasen, gute Unterhaltung) mit der europäischen Tradition des pastosen Farbauftrags und der Melancholie der Ebenen seiner transnistrischen Heimat zu einem »new expressionism«.

Den Corona-Sommer verbrachte Gideon Pirx wie jedes Jahr auf dem Balkon einer 2-Raumwohnung in Sankt Petersburg. Dort ringt er mit sich selbst und nennt es Arbeit. Nach dem Motto »Wenn’s nichts wirx, ist’s ein Pirx!« zeigt er sein Herz für die Gescheiterten und Gefallenen, egal ob Tier oder Mensch oder Pilz. Und auch wenn die Betrachtung dieser Spezies manch lustigen Kommentar provoziert, legt der Künstler doch Wert darauf festzustellen, dass Humor nur ein Nebenprodukt sei und Mitgefühl und Humunismus [sic!] im Vordergrund stehen.

Die Ergebnisse dieses Sommers – moderne kunst im clubheim – wollte Gideon Pirx eigentlich in einer großen Bilderschau im Westwerk zeigen. Im Schaufenster wird jetzt nur ein Affe Platz haben. Doch der Primat
hat eine Botschaft, die sich wie zufällig mit der alten römischen Weisheit Senecas deckt: »Durch das Dunkel zu den Sternen«. Die Ausstellung wird selbstverständlich nachgeholt.

Hartmut Gerbsch, »Negativ ist das neue positiv«, eine Raum-installation für eine nicht begehbare Ausstellung auf 120 m² mit über 1.000 Bildern aus den vergangenen 15 Jahren.

In der Hamburger Innenstadt ist es in diesen Tagen ruhig. Die meisten Geschäfte sind geschlossen, viele Büros bleiben leer. Auch der Ausstellungsbetrieb in den Galerien ruht. In diese Stille schicke ich ein visuelles Feuerwerk aus über 1.000 Lichtbildern unbekannter Herkunft. Diese wurden über 15 Jahre lang in einem Ordner mit der Aufschrift  »Bilder diverse« gesammelt und kommen aus allen Bereichen des Lebens: Umwelt, Politik, Konsum, Musik, Sport, Natur, Tiere, Verkehr, Kunst, Mode, Retusche, Architektur etc. Die Präsentation der Lichtbilder findet großformatig im hinteren Bereich der Ausstellungshalle statt und ermöglicht es dem Betrachter, durch das Fenster zur Straße die gesamte Größe des Ausstellungsraums zu erleben.

»A swimming symphony«: eine audiovisuelle Kooperation zwischen The Heffels und Josephin Böttger

Durchs Fenster des pandemisch leeren, schweigenden Raums erklingt ein umtriebiges Meer – warm und zwitschernd fließen Ver-sprechen eines kollaborativen Ozeans. Das flüsternde Parlament der Instrumente zeigt uns das Potenzial der Halle von Westwerk, ruft die unzähligen Erlebnisse und Aktionen hervor, die dort viele Jahre hindurch in Konzerten und Ausstellungen Platz und Publikum fanden.

Wie würden Vögel klingen, wenn sie unter Wasser lebten; wie Fische, könnten sie in der Luft leben? Mit »A swimming symphony« ertönt ein Hauch der Musik, die genau hier, in der leeren Halle von Westwerk,
im November 2018 in formidabler Formation über eine Woche live eingespielt wurde.

Es spielten damals The Heffels, begleitet vom Aquarium Ensemble, aufgenommen von Tobias Levin und Tom Fleischhauer. Aufnahmen,
die wiederum als Echo des Aquarium-Live-Konzerts im Sommer 2017 nachklangen, gespielt vor submarinen Projektionen von Jürgen Brockmann und gefilmt von Josephin Böttger. Eine wahre Unterwasser-welt von ineinanderfließenden Kooperationen und Prozessen, Imagination und Improvisation.

Zu hören ist »A swimming symphony« in Begleitung der neuen subaquatischen Bilderwelt der Videokünstlerin Josephin Böttger aus Filmaufnahmen des damaligen Konzerts.

The Heffels: Carsten Dane (Piano, Orgel), Christoph Meier (Bass), Matthew Partridge (Drums, Vocals), Stefan Persson (Gitarre)

The Aquarium Ensemble: Nicolas A. Baginsky (Lapsteel), Christopher Blenkinsop (Gitarre, Bouzouki), Raphaela Andrade Cordova (Vocals), Georgia Hoppe (Klarinetten), René Hudtwelcker (Elektronik), Gunnar Schmidt (Trompete), Boris Vogeler (Theremin, Elektronik), Hannes Wienert (Saxophone, Cheng, Trompsax)

Josephin Böttger: Videoprojektion

Dank auch an: Jürgen Brockmann (visual additions) und
Tobias Levin

11. bis 20. Febr. 2021 | 16:30–21:00

Heffels Aquarium

15. bis 24. Januar 2021

Simone Lietzkow

25. bis 31. Januar 2021

Gideon Pirx

1. bis 10. Februar 2021

Hartmut Gerbsch