WESTWERK.

WESTWERK.

Admiralitätstr. 74

20459 Hamburg

Livestream | 7. und 8. Juli 2017

Freitag ab 8 Uhr für 48 Stunden durchgehend geöffnet

»Wir haben uns als Freund*innen unter dem Namen TINT zusammengetan und wollen die Agenda des G20-Gipfels in einer Sendung in Bild und Ton analysieren, interpretieren und auf den Kopf stellen. Ausgewählte Sprecher*innen stehen in zugänglicher Art und Weise Frage und Antwort. Die schwimmende Plattform ›Archipel‹ wird unser Fernsehstudio sein. Der Livestream kann auf Bildschirmen in der Stadt, in Kiosken und Bars, in den Bücherhallen und Theatern, verfolgt werden. TINT hat zum Ziel, ein paar pointierte Beiträge in das unalltägliche Grundrauschen zu pflanzen, die in der Stadt Raum für sich beanspruchen, und das Geschehen inhaltlich unterstützend zu begleiten. So werden die Beratungspanels auch kontextualisiert mit Filmen und Dokumentationen, die ganze Sendung gespickt mit Clips und Kurzfilmen.«

 

 

 

 

 

Weit weg vom Jahrmarkt der Hoffnungslosigkeit brechen wir die Themen des G20 neu an und fragen: Was mag es sein, das sich die politischen Schausteller unter »Zukunftsfähigkeit verbessern« oder »Verantwortung übernehmen« vorstellen, unter »Frauen« oder »Fluchtursachen bekämpfen«? Es reicht nicht, Frisuren und Persönlichkeitszüge etwaiger Staats-
spitzen einer harten Kritik zu unterziehen.
Hier allein gibt es zwar genug Defizite, um die Zeilen etlicher Glossen zu füllen, dennoch gleitet es sich am Schmierfett der kosmetischen Aufbereitung entspannt an nicht so unwesentlichen Fragen vorbei. Zum Beispiel: Warum Protektionismus und national-
staatliche Sou­ve­rä­ni­tät rechts und links der Mitte wieder

Herzflattern entfachen, während »Weiter so« ein dumpfes Echo im Nirgendwo ist? Wieso, wenn denn die Arbeit von der Technik verschluckt zu werden droht, die Nachricht nicht mit froherer Kunde überbracht wird: Schließlich hieße es mehr Zeit für Alle? Gibt es Griechenland noch? Die Eurozone?
Wie lange dauert es noch, bis dieser irreversible Klima-
wandel endlich von kompetenten Fachkräften aufgehalten wird?
Beginnt Depression erst beim Arztattest gesellschaft-
lich zu werden oder schon vorher? Was hat das wiederum
mit dem G20 zu tun?

Wählen ist immer ein bisschen Sterben und so kommt die Repräsentation der leicht Agonisierten mit größtem Tamtam ins Stadtzentrum, um vom Empfangskomitee der Übrigen angerempelt zu werden. Wir finden das im Prinzip gut, sehen das Problem aber weder in den Gesichtern noch im Globalen, sondern Überall und in Allem, begonnen bei der Zeit, die immer nur dafür aufzubringen ist, nicht vom Dampfer zu fallen. Darum eine Sendung, die sich bemüht, Kritik auf die Straße zu bringen ohne sie zu Häppchen zu stutzen – ja, das knirschende Räderwerk der zwanzig größten Industrienationen braucht mehr Aufmerksamkeit und Verständnis als es 48 Stunden Sendezeit erlauben, aber einfache Lösungen zirkulieren zuhauf und mehr als genug.

Wir handeln mit Schwierigkeiten, begonnen bei der,
ein stadtweites Netz aufzubauen, das zur Diffusion der Sendung über die Absperrungen hinaus taugt. In diversen Bars, Kiosken und Kultureinrichtungen wird There Is No Time für die Dauer der Gipfeltage laufen, mit eurer Hilfe gilt es aber noch tiefer in dieses unalltägliche Grundrauschen einzudringen und ein paar pointierte Beiträge zu pflanzen: Von einer schwimmenden Plattform auf einem Hamburger Kanal gesendet, wünscht sich There Is No Time das Frühstücks-, Mittags- und Abendfernsehen der Hamburger Gipfelkultur zu werden. Lärmbelästigt eure Nächsten und stellt eure Beamer und Boxen ans Fenster, teilt die Anleitung mit euren Nachbarn (www.thereisnotime.net), kommt auf unser Floß, das an beiden Tagen nicht nur Sendezentrale, sondern auch Erholungsort und Flüsterstube sein will. Das Archipel liegt an der grünen Brücke in Hammerbrook an und freut sich mit Verpflegung auf Besuch.