WESTWERK.

WESTWERK.

Admiralitätstr. 74

20459 Hamburg

Live-Konzert und DJ-Set | Mittwoch | 13. Dezember 2017

21 Uhr | 10 Euro

HINOSCH sind Koshiro Hino (sorgte jüngst mit YPY und Goat international für Aufsehen) und Stefan Schneider (arbeitete mit Größen wie Roedelius, Lindsay, Dinger, Moebius, Balanescu, Kreidler und To Rococo Rot). Eine erste EP erschien auf Schneiders Label TAL Music: widerspenstige Studio-Tracks, unsynchronisierte, elektronische Instrumente in verknoteten Räumen, Bandbehandlungen und Wellen-Operationen.

YPY, das Soloprojekt von Koshiro Hino: Mehrspurcassettenrecorder als Musikinstrumente.

Phuong-Dan, umtriebiger musikalischer Poltergeist des Hamburger Untergrunds, legt Töne auf, die von Schallplatten kaum bis gar nicht zu erwarten sind.

 

Das Gespräch zum Konzert. Stefan Schneider sprach mit Tobias Levin vom Westwerk über das Projekt HINOSCH:

 

Wie habt ihr Euch kennengelernt?

Ich habe Hino letztes Jahr in Japan auf einem Konzert in Kobe kennengelernt, zu dem wir beide eingeladen waren. Sein Setup hat mich völlig begeistert. Er benutzte zwei 4-Spur-Cassettenrekorder. Neben den Rekordern lagen beschriftete Cassetten mit selbstproduzierten Sounds, die er im fliegenden Wechsel tauschte. Dabei ändert er ständig den Pitch und die Geschwindigkeit der beiden Geräte. Mit dieser sehr einfachen, nachvollziehbaren Technik macht er aus  Rekordern Musikinstrumente und erschafft eine Musik, die ich noch nie zuvor gehört habe.

 

Kann so ein Sound auch digital entstehen?

Ich denke, dass die meisten Musiker mit elektronischem Equipment, die ich in Europa in den letzten Jahren gesehen habe Ableton Live verwenden. Was natürlich okay ist, aber zu einer Standardisierung geführt hat und mir immer etwas zu vorhersehbar ist. Der Gedanke der Kontrolle über das eigene Tun steht auf der Bühne stark im Vordergrund. Eigentlich ist es ja richtig: Alle haben dieselbe Software und kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Aber der Erfindungsreichtum tritt in den Hintergrund. Es ist mir etwas zu gemütlich. Ich habe in den letzten Jahren in Japan, China und Malaysia gespielt und dort nur Musiker gesehen, die sehr eigentümliche Set-ups für sich erfunden haben. Das Spektrum reicht von manipulierten Gameboys bis zu live bearbeiteten Acappellas, Noise oder Percussionmusik zu Billig-Synthies.

Du hast mit einer langen Liste großer europäischer und amerikanischer Musiker gearbeitet. Was hat Hino bisher gemacht?

Hino spielt solo, wie beschrieben, als YPY und noch in der Band GOAT, mit der er  immer wieder auf ausgedehnten Europatourneen ist. GOAT ist ein Quartett mit zwei Drumkits, Percussion, Bass und Saxophon. Die Musik ist sehr dicht und perkussiv, an manchen Stellen mit der Schnelligkeit, Präzision und Dynamik einer Metalband, die aber Gamelan spielt. Wucht, Konzentration und Zärtlichkeit sind darin Verbündete. Völlig einzigartig. Im Sommer habe ich ihr Konzert in der Berghainkantine gesehen. 30 Minuten ohne Zugabe. Selten habe ich in den letzten Jahren ein so überwältigtes Publikum erlebt.

 

Wie ist eure erste Hinosch-EP entstanden?

Hino hat mich gefragt, ob ich mit ihm zusammen Aufnahmen machen möchte. Und so haben wir bei mir im Studio in Düsseldorf begonnen, Aufnahmen zu machen. Eine zweite Arbeitszeit hatten wir im April, als ich zu Gast in Osaka war. Wir arbeiten sehr zügig; und oft, wenn ich ihm eine Frage zur folgenden Improvisation stelle, antwortet er: »Don’t think too much, just play.« Wir sind in der Zusammenarbeit auf Klänge gekommen, die wir alleine oder mit jemand anderem nicht hinbekommen hätten. In der Zusammenarbeit haben wir versucht, eine Musik zu machen, die zunächst einen sehr begrenzten technischen Aufwand hat. Jeder nur ein Instrument. Er hatte eine Rhythmusmaschine und ich ein selbstgebautes analoges Tapeloopgerät, mit dem ich meine Stimme aufgenommen und abgespielt habe. Es sollte eine Musik werden, die frei von Strukturen ist; die ein Stück halten und man in jedem Moment entscheiden muss, was man als nächstes macht. Aber: »Don’t think too much.«

Die EP erschien jetzt auf meinem Label TAL. Im nächsten September erscheint ein Album.

HINOSCH
TAL05
12" EP Vinyl/DL

Worldwide distribution through MORR Distribution.
Release date 06.10.2017

The cover features a silk screen printed and manually stamped piece of artwork.

Illustration: Dirty Happah

 

HINOSCH [Düsseldorf/Osaka]

YPY [Osaka]

Phuong-Dan [Hamburg]