WESTWERK.

WESTWERK.

Admiralitätstr. 74

20459 Hamburg

Konzert | Samstag | 7. Mai 2016 | 21 Uhr

 

Jesus ist tot. Punk auch. Und selbst wenn’s Spinner gibt, die das leugnen: Deal with it. Machen Hildegard von Binge Drinking ja auch. Von Punk ist nur das Skelett übrig, das Direkte, die Wut – nicht das Wiederkäuen des immer gleichen Einheitsbreis und der Glaube daran, dass kurz nach Discharge die Geschichte aufgehört hat. Apropos Glaube: Der war noch nie in the mix. Dafür Krautrock oder zumindest heilsame Essenzen davon. Schlagzeug motorisch. Synthieläufe von hier bis Wolperath. Und der Vocoder, der schon bei Kraftwerk aus dem mittelmäßigen Sänger Ralf Hütter den grandiosen Sänger Ralf Hütter gemacht hat.

Jetzt also, nach 70 Shows zwischen Fusion, Christopher Street Day und französischem Bierfest: Debütalbum. Namens »Hildegard von Binge Drinking« und zum Thema Schlaf. Ein Soundtrack der Träume. Aber eher solcher, die man hat, wenn man betrunken unter einem flackernden Deckenlicht einschläft: kalter Schweiß, unkontrollierbares Muskelzucken, nervöses Aufschrecken – und die Frage, ob dieser Alptraum Realität ist oder diese Realität der Alptraum. Fallen. Immer wieder Fallen. Aber auch über Schlaf als letzten Rückzugsort vor diesem Alptraum Realität. Fluchten. Immer wieder Fluchten. Temporär. Oder auch dauerhaft, siehe »Death«.

Wie das klingt? Kalt, wie sowjetischer New Wave aus den 80ern. Aus einer Zeit, als die Welt noch unterging. Künstlich, wie Synthesizer eben klingen – oder besser: wie ein Synthesizer eben klingt, schließlich ist es nur einer. Authentizität ist überbewertet, analog sowieso. Kompakt, weil es doch nur ein Duo ist. Auch wenn sich diese Chöre nach mehr anhören.

 

Huffduff ist eine Band aus dem 12. Jahrhundert, die viele Postpunk- und Noiserock-Bands des späten 20. Jahrhunderts beeinflusst hat. Huffduff wurden mit Hilfe eines High-Frequency-Direction-Finders geortet und mit einem temporalen Traktorstrahl ins 21. Jahrhundert geholt. Jetzt spielen sie ein paar Shows, bevor die Erde in nicht so ferner Zukunft von einem gigantischen schwarzen Loch der Langeweile absorbiert wird. Auf einer anderen Zeitlinie spielten die Huffduff-Mitglieder bei Eniac, Die Charts, Gorges, Fröbe, Venus Vegas, Dishwater und Soon Li.

Hildegard von Binge Drinking
& Huffduff

2016

Plakat: Fiona Hinrichs-Polzin

Foto: Marc Krause