WESTWERK.

WESTWERK.

Admiralitätstr. 74

20459 Hamburg

Eröffnung | Donnerstag | 21. September 2017 | 19 Uhr

Ausstellung: 22. September bis 1. Oktober 2017

Di bis Fr 17 bis 20 Uhr, Sa und So 15 bis 19 Uhr

zur Eröffnung | ca. 21 Uhr

Live-Performance Baby of Control

und DJ-Set von Felix Kubin

Künstlergespräch

Do | 28. September 2017 | 16 Uhr

Benedikt Rugars durch starke Schwarz-Weiß-Kontraste geprägten Bildwelten sind verstörend und anziehend zugleich. Viele seiner Arbeiten zitieren die naive Zukunfts-gläubigkeit der 1950er und 60er Jahre, einer Zeit, in der Technik noch vorbehaltlos als Glücksbringer der Menschheit galt. Bei Rugar wird dieser Zukunftsglaube ins Düster-Absurde verkehrt. Seine collagenhaft gestalteten futuristischen Szenarios sind bevölkert von Versatzstücken aus Comic-Kultur, wissenschaftlicher Zeichnung, Pop Art und abstrakter Kunst. Kombinationen aus anthropomorphen organischen Elementen wirbeln in einer Art Liebestanz umeinander, durchstoßen sich gegenseitig oder treiben schwerelos im weißen Raum umher wie Stillleben aus einer anderen Welt. Menschen sucht man in diesen utopischen Landschaften vergebens; nur Fragmente wie Haarbüschel oder einzelne Körperteile zeugen von ihrer Existenz. Rugars klare Linie, die meisterhaft mit Perspektiven spielt, macht seine oft sexuell aufgeladenen Figuren, Gebäude und Objekte greifbar, erklärt aber nicht deren Anordnung oder Bewegung

im Raum, die einer fremden, geheimnisvollen Logik zu entspringen scheinen. In vielen Bildern lauert die Tendenz zur Auflösung, Suche oder Flucht. Die daraus resultierende Spannung nennt der Künstler einen »Flirt zwischen Bild und Betrachter«.

Er selbst sieht sich nicht als Comic-Zeichner, laut eigener Aussage hat er in seiner Jugend kaum Comics gelesen: »Comics wollen meistens eine Geschichte von A bis Z erzählen. Das interessiert mich nicht. Ich interessiere mich nur für
den Höhepunkt einer Geschichte. Wie in einem Film, der in meinem Kopf abläuft, versuche ich, im spannendsten Moment auf Stopp zu drücken. Diesen Moment halte ich dann in
einer klaren Bildsprache fest, die ich durch Brüche und Collagentechnik verfremde. Zu sehen sind meistens Fragmente der menschlichen Welt, Dinge, zu denen jeder ein Gefühl aufbauen kann, kombiniert mit etwas Unbekanntem. Bei genauerem Hinschauen tauchen immer mehr Fragen auf.«

Unter dem Titel »Cockaigne« – englisch für »Schlaraffenland« – präsentiert Benedikt Rugar speziell für WESTWERK entwickelte Arbeiten. Der englische Titel umreißt das Überbordende seiner Bilder und Inhalte und rückt es lautmalerisch in die Nähe der von Sex & Drugs geprägten Clubkultur. Das Schlaraffenland hat ihn seit seiner Kindheit geprägt; er ist fasziniert »von den Bildern des schwarzen flüssigen Sirupsees, den Bäumen, in denen Würste und Spielzeug wachsen, dieser Welt aus zerfließenden Speisen.« Mit seiner Ausstellung im WESTWERK stürzt sich Rugar vollends in die triefend paranoiden Paradieswelten des Überflusses, aus denen er mit seinem ganzen zeichnerischem Repertoire Absurditäten wachsen lässt.

Felix Kubin

Benedikt
Rugar

COCKAIGNE

Zeichnungen, Drucke,
Wandbilder, Animationsfilme

Kuratiert von Felix Kubin