WESTWERK.

WESTWERK.

Admiralitätstr. 74

20459 Hamburg

Eröffnung | Freitag | 1. September 2017 | 19 Uhr

Ausstellung: 2. bis 10. September 2017

Di bis Fr 16 bis 19 Uhr, Sa 12 bis 16 Uhr, So 13 bis 16 Uhr

Und doch scheinen die Anforderungen an die Menschen über das technologische Comittment in Bezug auf Zeit- und Komfortgewinn zu wachsen, mit der gegenteiligen Folge,

dass sich bei vielen Menschen ein permanentes Gefühl der Überforderung und Unwohlseins einstellt. Die künstlerische Frage, die sich in diesem Zusammenhang stellt, ist nun jene nach den Folgen, was passiert, wenn sich die Gesellschaft oder einzelne Teile aus ihr, einfach aus dem Zeitfluss herausnehmen, beiseite treten und sich selbst einem Reframing unterziehen, einem Freezing der emotionalen Befindlichkeit.

Die unterschiedlichen Positionen der KünstlerInnen halten den Fluss der Zeit eine Weile lang an und ermöglichen einen verqueren, kontemplativen und teils verstörenden Blick auf
das, was sonst in weniger wahrnehmbaren Tempo an der Gesellschaft vorbeirauscht, sie reduzieren die Komplexität der zeitlichen Interdependenz der Jetztzeit auf ein fassbares Maß einer Slowmotionapplikation aktueller Handyvideos. Das schafft neue Zugangspunkte, neue Erklärungsmuster und neue Ansätze in dem Bestreben, sich selbst, seine Umgebung und übergeordnete Zusammenhänge zu verstehen. Der Zugang ist politisch relevant in dem Sinn, als gerade die rasenden Umgestaltungen zwischen Terrorgefahr, Wertediskussionen und Flüchtlingsströmen als ein zeitkritisches Phänomen die Gesellschaft zu überfordern scheint. Das Anhalten einer scheinbar nicht zu stoppenden Entwicklung ist, wie das Anhalten der Zeit, ein schier aussichtsloses Unterfangen, in einem quälenden Widerspruch wie auch Entsprechung zu dem Empfinden jener Flüchtlinge, die aus ihrer Zeit herausgerissen in der Warteschleife zwischen den Welten gefangen sind, und sich in Zeit und Raum neu verorten müssen. Aber es ist ein Unterfangen, das genau durch diese künstlerische Zugänge stellvertretend geleistet werden kann und muss.

Karin Maria Pfeifer

Hamburg

ABIDANCE

Installation, Skulptur, Fotografie, Objekte, Video

Kuratiert von Viola Kiefner und Karin Maria Pfeifer